Wer heute ein Open-Source-PIM auswĂ€hlt, arbeitet mit einer Liste, die vor zwei Jahren noch anders aussah. Bei zwei der drei bekanntesten Systeme haben sich Lizenz- oder Supportbedingungen verĂ€ndert, bei einem dritten ist der Zustand der öffentlichen Repositories erklĂ€rungsbedĂŒrftig. Gleichzeitig kommt mit dem Digitalen Produktpass eine Anforderung hinzu, die 2023 in keiner PIM-Auswahl vorkam.
Viele Vergleichsartikel, die noch gut ranken, bilden diesen Stand nicht ab. Dieser Artikel schon.
Transparenzhinweis: Ich arbeite bei Webkul, dem Unternehmen hinter UnoPIM. UnoPIM kommt in diesem Vergleich vor. Ich habe versucht, die anderen Systeme so darzustellen, wie ihre Nutzer sie beschreiben wĂŒrden â mit ihren StĂ€rken und mit den Punkten, an denen sie an Grenzen stoĂen.
Was sich 2025 und 2026 geÀndert hat
Pimcore: neue Lizenz mit Umsatzgrenze. Mit Platform-Version 2025.1 hat Pimcore die Community Edition von der GPLv3 auf die eigene Pimcore Open Core License (POCL) umgestellt. Version 2024.4 war das letzte GPLv3-Release. Nach den Angaben von Pimcore ist die Community Edition unter POCL kostenlos fĂŒr nicht-produktive Nutzung, fĂŒr akademische und gemeinnĂŒtzige Einrichtungen sowie fĂŒr Unternehmen mit weniger als fĂŒnf Millionen Euro Jahresumsatz. DarĂŒber hinaus ist fĂŒr kommerzielle Produktivnutzung eine Professional- oder Enterprise-Edition erforderlich. Das Angebot des Kerns als SaaS oder Managed Service fĂŒr Dritte benötigt eine separate OEM-Lizenz.
Das ist eine sachliche Feststellung, keine Kritik: Der Quellcode bleibt einsehbar und anpassbar. Aber POCL ist keine OSI-anerkannte Open-Source-Lizenz, und die Umsatzgrenze ist ein Kriterium, das in einer Systemauswahl geprĂŒft werden muss.
Akeneo: Supporthorizont fĂŒr v7 endet. Akeneo hat fĂŒr PIM v7 den 30. September 2026 als End-of-Support-Datum veröffentlicht. Version 7 erschien im MĂ€rz 2023. Zugleich weist Akeneo im eigenen Help Center darauf hin, dass die Community Edition weiterhin gepflegt wird und die veröffentlichten End-of-Support-Daten sich auf die PaaS- und On-Premise-Editionen beziehen.
Beide Aussagen stehen nebeneinander. FĂŒr viele Teams ist genau das der Punkt: Die strategische Richtung ist eindeutig SaaS, der selbst gehostete Weg ist nicht abgeschaltet, aber die Planbarkeit ĂŒber fĂŒnf Jahre ist schwerer geworden.
Ergonode: öffentliche Repositories archiviert. Mehrere Ergonode-Repositories, darunter das Frontend, sind seit Februar 2023 archiviert und damit schreibgeschĂŒtzt. Das Produkt selbst wird aktiv weiterentwickelt â der öffentliche Changelog zeigt regelmĂ€Ăige Releases â aber erkennbar in einem kommerziellen Modell. In etlichen Vergleichsartikeln steht Ergonode noch unverĂ€ndert als Open-Source-Empfehlung.
Die Systeme im Einzelnen
Akeneo Community Edition
Lizenz: OSL 3.0 · Stack: PHP / Symfony
Das bekannteste Open-Source-PIM, mit der gröĂten Community und dem gröĂten Ăkosystem an Konnektoren und Dienstleistern. Die OberflĂ€che ist ausgereift, die Dokumentation gut, und in fast jedem europĂ€ischen Markt gibt es Agenturen mit Akeneo-Erfahrung.
Der Funktionsumfang der Community Edition ist gegenĂŒber den kommerziellen Editionen deutlich reduziert. Erweiterte Regeln, Data-Quality-Funktionen und ein integriertes DAM liegen in den kostenpflichtigen Editionen. Dazu kommt der oben beschriebene Supporthorizont.
Geeignet fĂŒr: Teams mit vorhandenem Akeneo-Know-how im Haus oder bei einer Agentur.
Pimcore Community Edition
Lizenz: POCL (bis 2024.4: GPLv3) · Stack: PHP / Symfony
Pimcore ist mehr als ein PIM: PIM, MDM, DAM und Content-Management in einer Plattform. HĂ€ufig dort im Einsatz, wo Produktdaten und Website aus einem System kommen sollen.
Zwei EinschrĂ€nkungen. Erstens die neue Lizenz mit der Umsatzgrenze von fĂŒnf Millionen Euro â fĂŒr ein wachsendes Unternehmen ist das eine Frage, die man vor und nicht nach der EinfĂŒhrung klĂ€rt. Zweitens: Pimcore ist eine Entwicklerplattform, kein fertiges Produkt. Ohne ein technisches Team, das Datenmodellierung und Betrieb ĂŒbernimmt, kommt ein Pimcore-Projekt selten produktiv.
Wer die GPLv3-Basis weiterfĂŒhren möchte, findet mit OpenDXP einen community-getriebenen Fork der Pimcore Community Edition, der unter GPLv3 bleibt. Der Fork ist unabhĂ€ngig und nicht von Pimcore unterstĂŒtzt â die ĂŒblichen Fragen nach Wartung und Langlebigkeit eines Forks gelten.
Geeignet fĂŒr: Unternehmen mit eigenem Entwicklungsteam, Bedarf ĂŒber reines PIM hinaus, und geklĂ€rter Lizenzsituation.
AtroPIM
Lizenz: GPLv3 · Stack: PHP 8.4, auf Basis von AtroCore
AtroPIM kommt von der AtroCore GmbH in Regensburg. Zwei Dinge heben es in dieser Liste heraus: Der Kern steht unter GPLv3 â einer echten Open-Source-Lizenz ohne Umsatzgrenze â und der volle Funktionsumfang ist in der freien Version enthalten. Kostenpflichtige Module sind Erweiterungen, keine Freischaltungen fĂŒr Funktionen, die man ohnehin erwarten wĂŒrde.
Das Datenmodell ist ĂŒber Entity- und Layout-Manager ohne Programmierung konfigurierbar, die Architektur ist durchgĂ€ngig API-zentriert. FĂŒr Hersteller mit ungewöhnlichen Produktstrukturen ist das ein realer Vorteil.
Die Community ist kleiner als bei Akeneo oder Pimcore, und der Betrieb setzt einen eigenen Linux-Server mit Root-Zugriff voraus â kein Shared Hosting.
Geeignet fĂŒr: MittelstĂ€ndler im DACH-Raum, die einen deutschsprachigen Anbieter wollen, ein konfigurierbares Datenmodell brauchen und technische Ressourcen fĂŒr den Betrieb haben.
Ergonode
Lizenz: OSL 3.0 (öffentliche Repositories teils archiviert) · Stack: PHP / Symfony, Vue.js
Ergonode wurde fĂŒr seine BenutzeroberflĂ€che gelobt und war als âhuman-centric" PIM positioniert. Wer es heute als Open-Source-Option prĂŒft, sollte den Stand der öffentlichen Repositories selbst anschauen, bevor er eine selbst gehostete EinfĂŒhrung plant.
Geeignet fĂŒr: Teams, die das kommerzielle Produkt bewerten.
UnoPIM
Lizenz: MIT · Stack: Laravel 13 / PHP 8.4
Das jĂŒngste System in dieser Liste, entwickelt von Webkul. Der Kern steht unter MIT-Lizenz, ohne Umsatzgrenze und ohne reduzierte âCommunity Edition" gegenĂŒber einer Vollversion. Betrieb wahlweise selbst gehostet oder als Cloud.
Funktional: Produktdatenmanagement, integriertes DAM, Completeness-Tracking je Kanal und Sprache, Maker-Checker-Freigabeworkflow, granulare Rechte, Konnektoren fĂŒr Shopify, Magento 2, WooCommerce und Odoo. Die Skalierbarkeit auf ĂŒber zehn Millionen Produkte ist dokumentiert.
Ehrlich zu den Grenzen: UnoPIM ist seit 2024 am Markt. Die Community ist kleiner als bei Akeneo, es gibt weniger Agenturen mit Erfahrung, und wer ein System mit zehn Jahren Referenzprojekten sucht, findet es hier nicht.
Geeignet fĂŒr: Teams, die Lizenzfreiheit ohne FunktionsbeschrĂ€nkung wollen, und Laravel-Umgebungen.
Code und Installationsanleitung: github.com/unopim/unopim · Dokumentation und weitere Informationen: unopim.com
Das Kriterium, das 2023 noch niemand hatte
Der Digitale Produktpass verÀndert die Anforderungen an ein PIM-System gerade grundlegend.
Ab dem 18. Februar 2027 ist der digitale Batteriepass nach der EU-Batterieverordnung (EU) 2023/1542 verpflichtend â fĂŒr Traktions- und LMT-Batterien sowie Industriebatterien ĂŒber 2 kWh. Die Ăkodesign-Verordnung ESPR bildet den horizontalen Rahmen; konkrete Pflichten entstehen dort schrittweise ĂŒber delegierte Rechtsakte je Produktgruppe, unter anderem fĂŒr Eisen und Stahl, Textilien, Reifen und Aluminium.
FĂŒr Hersteller heiĂt das: Materialzusammensetzung, Rezyklatanteil, SCIP-/ECHA-Deklaration und Lebenszyklusdaten mĂŒssen strukturiert, gepflegt und ausleitbar vorliegen. Das ist der Definition nach eine PIM-Aufgabe.
In der Praxis scheitert der Produktpass selten an der Technik, sondern an der Datenhaltung: Materialangaben liegen in Tabellen, KonformitÀtsnachweise in E-Mail-PostfÀchern.
Bei den meisten Systemen in dieser Liste löst man das ĂŒber zusĂ€tzliche Attribute, eigene Entwicklung oder einen Drittanbieter-Service. UnoPIM bildet die DPP-Felder seit Version 3.0 als regulĂ€re Produktattribute ab, womit dieselben Mechanismen greifen wie fĂŒr alle anderen Produktdaten â Freigabeworkflow, VollstĂ€ndigkeitsprĂŒfung, Export ĂŒber API und Konnektoren.
Das ersetzt keine Compliance-Beratung. Es entscheidet aber darĂŒber, ob die Datenbasis steht, wenn der eigene Stichtag kommt.
Wie das konkret aussieht, ist hier im Detail beschrieben: Digital Product Passports in UnoPIM v3.0. Eine Video-Demonstration der DPP-Funktionen gibt es ebenfalls.
Einordnung
| Anforderung | Naheliegende Wahl |
|---|---|
| GröĂtes Ăkosystem, viele Dienstleister | Akeneo CE |
| PIM plus CMS und MDM, eigenes Entwicklungsteam | Pimcore (Lizenz prĂŒfen) · OpenDXP fĂŒr GPLv3 |
| Deutschsprachiger Anbieter, konfigurierbares Datenmodell | AtroPIM |
| Keine Lizenzkosten ohne FunktionsbeschrÀnkung, DPP ab Werk | UnoPIM |
Es gibt keine allgemeingĂŒltige Antwort. Vier Fragen entscheiden eine Auswahl in der Praxis:
- Wie viele Produkte und Varianten, und wie komplex ist die Kanalstruktur?
- Wie viel EntwicklerkapazitĂ€t steht dauerhaft zur VerfĂŒgung?
- Welche Lizenzbedingungen gelten fĂŒr uns bei unserem Umsatz â heute und in drei Jahren?
- Welche regulatorischen Anforderungen kommen auf unser Sortiment zu?
Frage drei war bis vor Kurzem keine echte Frage. Sie ist jetzt eine.
Sie stehen gerade vor dieser Entscheidung?
Wenn Sie prĂŒfen möchten, ob UnoPIM zu Ihrem Katalog und Ihren KanĂ€len passt: unopim.com · github.com/unopim/unopim
Fragen und Anmerkungen zu diesem Artikel gern direkt in den Kommentaren â auch zu den anderen Systemen.
Angaben zu Lizenzen, Versionen und Supportdaten mit Stand September 2026. Lizenzbedingungen Ă€ndern sich â prĂŒfen Sie den aktuellen Stand beim jeweiligen Anbieter, bevor Sie eine Systementscheidung treffen.














